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Der Fluch des Jacques de Molay

[Das Erbe des Templerordens]  [Das Grabtuch von Turin]

Totenmaske von Philippe IV., dem SchönenWie die Märtyrer, die Gott bis zum Letzten mit ihrem Lobgesang priesen, so stimmte auch Jacques de Molay inmitten der Flammen Hymnen an. Mézeray berichtet, dass man den Großmeister rufen hörte: "Clemens! Ungerechter Richter und grausamer Henker! Innerhalb von 40 Tagen lade ich dich vor das Gericht des Höchsten Richters." Andere Chronisten berichteten, so sagt Vertot, dass Jacques de Molay auch den König innerhalb eines Jahres vor das Gericht Gottes geladen hätte. Vielleicht ist die Geschichte dieser letzten Worte gerade darauf zurückzuführen, dass sowohl der König als auch der Papst in ebendiesem Zeitraum verstorben sind. In einer späteren Chronik wird berichtet, der Großmeister der Templer hätte ausgerufen: "Verflucht! Verflucht! Seid alle verflucht bis zur dreizehnten Generation!...". Allerorts flossen Tränen angesichts einer derart tragischen Szene. Und es wird behauptet, dass einige besonders fromme Anhänger sogar die Asche der würdigen Ritter sammelten. Auch wenn diese Überlieferungen nicht immer der Wahrheit entsprechen, so lassen sie zumindest darauf schließen, dass die Allgemeinheit, an die sie gerichtet waren, von der Unschuld der Verurteilten überzeugt gewesen sein muss. Die tiefgründigen Worte von Bossuet sprechen für sich: "Sie gestanden unter der Folter und widerriefen unter Qualen.".

Clemens V. erliegt einen Monat nach der Hinrichtung Molays (am 20. April 1314) einer furchtbaren Krankheit. Guillaume de Nogaret, der 1307 die Verhaftung der Templer in ganz Frankreich befehligt hatte, stirbt am 27. April 1314 - an Gift. Philipp der Schöne seinerseits stirbt nur einige Monate später, am 29. November 1314, auf der Wildschweinjagd (es heißt, er hätte einen Sturz vom Pferd nicht überlebt). Nach seinem Tod besteigt sein ältester Sohn, Ludwig X., der Zänker, den Thron. Aber auch er stirbt zwei Jahre später, im Alter von 26 Jahren, an einem Fieber, das er sich in einer Grotte zugezogen haben soll, deren Kühle nach der Hitze des Ballspiels allzu verlockend gewesen war. Da seine Gattin, Königin Clementine, bereits ein Kind erwartet, erhält der Bruder Ludwigs, Philipp der Lange, lediglich den Titel eines Regenten: Am 15. November 1316 gebiert Clementine einen Sohn, der den Namen Johann erhält und nach 5 Tagen verstirbt (Johann I., der Posthume).

Daraufhin fällt die Königskrone Philipp zu, der als Philipp V. den Thron besteigt - allerdings nicht ohne Anfechtung. Aus der ersten Ehe Ludwigs X. mit Margarete war eine Tochter namens Johanna hervorgegangen, Erbin des Königreichs von Navarra: Ihr Onkel, der Herzog von Burgund, erhebt in ihrem Namen Anspruch auf das Königreich von Frankreich. Seit Hugo Kapet ist dies das erste Mal, dass die Krone nicht direkt vom Vater auf den Sohn übergeht, sondern die Linie über Neffe und Onkel fortgeführt werden soll. Damit stehen sich zwei Standpunkte gegenüber: Die Erbfolge der Länder, in denen auch Frauen den Thron besteigen, und das Erbfolgerecht der zwei ersten Dynastien, nach dem Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen sind. Die Anfechtung wird in einer in Paris abgehaltenen Versammlung feierlich geprüft und letztendlich wird das salische Erbfolgerecht bekräftigt. Diese Erbfolge gilt seit jeher als rechtskräftig, auch wenn der Text in keiner schriftlichen Fassung aufzufinden ist, selbst nicht im salischen Recht, das keinen einzigen Artikel mit Bezug auf die Krone enthält. Philipp V. regiert sechs Jahre lang und stirbt im Alter von 29 Jahren. 1322 nimmt der letzte Sohn Philipps des Schönen, Karl IV., die Thronfolge in Anspruch, bevor auch er sechs Jahre später verstirbt. Er ist 33 Jahre alt.
 
Somit haben in einem Zeitraum von vierzehn Jahren alle drei Söhne Philipps des Schönen den Thron bestiegen und starben, ohne einen Erben zu hinterlassen. Und das, obwohl sie von ihrem Vater diese männliche Konstitution geerbt hatten, die auf ein langes Leben und eine umfangreiche Nachkommenschaft hoffen lässt. Mit Philipp von Valois geht die Krone dann auf eine Nebenlinie über. Da die Witwe des Königs schwanger ist, erhält Philipp zunächst nur die Regentschaft, bis zu dem Tag, an dem eine Tochter geboren wird. Das salische Erbfolgerecht, das 1316 dem zweiten Sohn Philipps des Schönen als Rechtfertigung seiner Thronbesteigung diente, besiegelt im Jahr 1328 das Ende der Dynastie der Kapetinger.

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Das Erbe des Templerordens

[Der Fluch des Jacques de Molay]  [Das Grabtuch von Turin]

Hat Jacques de Molay Vorkehrungen getroffen, um die geheimen Dokumente und Schätze der Templer rechtzeitig in Sicherheit zu bringen? War es sein Wunsch, dass der Templerorden ihn überlebt? Es liegt kein historischer Beweis vor, der dies mit Sicherheit belegen würde. Dennoch existieren mehrere Hypothesen, von denen die nachstehenden drei von zahlreichen Historikern als die plausibelsten angesehen werden:

Andere, noch wildere Hypothesen, die inzwischen eindeutig widerlegt sind, halten sich dennoch beständig und regen die kollektive Fantasie an: Die Hypothese Guichard de Beaujeus - der einen Teil des Templerschatzes gefunden haben soll - basiert auf einem äußerst umstrittenen Dokument (Schiffman). Die Hypothese von Jean-Marc Larmenius - angeblich von Jacques de Molay zu seinem Nachfolger bestimmt - basiert auf Dokumenten, die 1804 von Bernard-Raymond Fabré-Palaprat entdeckt, inzwischen jedoch nachweislich als falsch identifiziert wurden. Die Hypothese Geoffroy de Gonnevilles - der dem Kerker entrinnen sein und den Orden fortgeführt haben soll - ist eine offensichtliche Täuschung, erfunden vom Guru einer Sekte mit unlauteren Absichten...

Man wird sicherlich nie mit Gewissheit sagen können, welche Absichten Jacques de Molay vor seinem Tod verfolgt hat, noch was er seinen Rittern und Freunden kurz vor seiner Gefangennahme übergeben und/oder in Auftrag gegeben hat. Historisch erwiesen ist jedoch, dass die Templer nach 1314 Zuflucht in Portugal und Schottland gesucht haben. Außerdem ist nachgewiesen, dass die Fedeli d'amore Dantes zahlreiche Gemeinsamkeiten mit den Templern aufwiesen, insbesondere was ihre starke Neigung zur Esoterik und Hermetik betrifft. Auch wenn sich diese Hypothesen im Laufe der Zeit von Legenden inspirieren ließen, auch wenn sie von nicht gerade empfehlenswerten sektären Gruppierungen aufgegriffen und für ihren Zweck verformt wurden, so lässt doch vieles darauf schließen, dass sie auf authentischen historischen Tatsachen beruhen.

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Das Grabtuch von Turin

[Der Fluch des Jacques de Molay]  [Das Erbe des Templerordens]

Abbild auf dem Turiner GrabtuchIm Jahr 1988 wurde eine Radiokohlenstoffdatierung (oder 14C-Datierung) des Turiner Grabtuchs zur Ermittlung dessen Alters vorgenommen. Dabei wurde das Grabtuch auf ein Alter zwischen Ende des XII. Jhdts. und Anfang des XIV. Jhdts. datiert. Um die Berechnungsmethoden an unterschiedlichen Proben zu testen, wurde eine Analyse (Blindanalyse) des Umhangs von Ludwig IX. durchgeführt. Das Analyseergebnis ermöglichte mit nahezu absoluter Sicherheit eine Datierung des Zeremonienmantels auf die Zeit zwischen 1263 und 1283, was sich perfekt mit den historischen Daten deckt, da der König im Jahr 1270 in Tunis an der Pest stirbt. Die Ergebnisse aus anderen Proben sind ebenso genau, wenn sie mit konkreten Daten verglichen werden. Die Schlussfolgerungen in Bezug auf das Turiner Grabtuch können somit nicht in Frage gestellt werden. Darüber hinaus wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Leinen, aus dem das Grabtuch gewoben wurde, zwischen 1260 und 1390 zugeschnitten wurde, wodurch sich die Radiokarbonmethode weiter verfeinern lässt.

Da das Bildnis auf dem Grabtuch nicht von Jesus stammen kann, wessen Antlitz zeigt es dann? Diese essenzielle Frage beantworten Christopher Knight und Robert Lomas in ihrem Buch "Der zweite Messias". Für die beiden Autoren besteht kein Zweifel: Das Antlitz, das auf dem Grabtuch zu sehen ist, gehört Jacques de Molay. Ihre Version hat den Vorteil, dass sie um einiges geradliniger und glaubwürdiger ist als die überaus komplexe Theorie, die von den Anhängern des Christusbildes vertreten wird.

Letzteren zufolge wäre das Grabtuch Christi von einem gewissen Abgar, König von Edessa (die heutige Stadt Urfa in der Türkei) erworben worden, der Anfang des I. Jhdts. zum Christentum bekehrt wurde. Der König hätte das Tuch bei sich behalten, nachdem es ihn durch seine Berührung angeblich von der Lepra geheilt hatte. Unter seinem Nachfolger, der wieder zum Heidentum zurückgekehrt war, hätten die Christen der Stadt die Reliquie fünf Jahrhunderte lang in einer Nische verborgen gehalten. 944 dann wäre das Tuch von den Byzantinern, die es Mandylion nannten (griechisch-arabisch für ein heiliges Stück Stoff), den Muslimen entrissen worden, den damaligen Herren von Edessa. Danach wäre das Grabtuch bis 1204 in Konstantinopel verblieben, bis zu dem Jahr also, als die Stadt von den Kreuzrittern auf dem vierten Kreuzzug zum ersten Mal geplündert wurde. Zu diesem Zeitpunkt sei das Tuch in den Besitz der Templer gekommen. Ein Jahrhundert später wäre es Geoffroy de Charnay in die Hände geraten, damals Präzeptor der Normandie und späterer Leidensgefährte von Jacques de Molay auf dem Scheiterhaufen am 18. März 1314.

Knight und Lomas zufolge wäre das Grabtuch zwischen 1307 und 1314 direkt in den Besitz Charnays gelangt, das abgebildete Antlitz sei dasjenige Molays. Für diese Behauptung stützen sich die Autoren auf sechs Argumente:

  1. Ihre Version ist die einzige, die sich perfekt mit sämtlichen wissenschaftlichen Analysen deckt, die am Grabtuch vorgenommen wurden.

  2. Das Grabtuch wurde verwendet, um Jacques de Molay nach einer besonders grausamen Foltersitzung durch Guillaume Imbert, Beichtvater des Königs und Großinquisitor, zu bedecken: De Molay wurde bis aufs Blut ausgepeitscht, ihm wurde eine Krone aus spitzen Gegenständen auf den Kopf gedrückt, um ihm die Kopfhaut zu zerreißen, und schließlich wurde er nach der Art der Gekreuzigten auf ein Holzbrett genagelt. Diese Foltermethoden haben bei dem Großmeister eine chemische Reaktion ausgelöst, die den Abdruck seines Körpers und Gesichts auf dem Tuch ermöglichte.

  3. Es gab zwei Gründe für eine Kreuzigung de Molays: Zum ersten erfreute sich diese Foltermethode bei der Inquisition größter Beliebtheit. Zum zweiten war die Kreuzigung für Imbert ein Mittel, den Templer genau da zu bestrafen, wo er gesündigt hatte (die Templer wurden der Ketzerei beschuldigt, weil sie angeblich den Tod Christi am Kreuz verleugneten).

  4. Die Gefangenen wurden vor der Folter stets entkleidet. Außerdem wurden sie regelmäßig an Gegenstände genagelt, die in Reichweite lagen.

  5. Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Mann, dessen Körper und Antlitz auf dem Tuch zu erkennen sind, am Leben gewesen sein und auf einem Bett ausgestreckt dagelegen haben muss, damit dieser Abdruck zustande kommen konnte. Und das war der Fall bei Jacques de Molay, der nach dem Verhör dem Koma nahe, jedoch noch am Leben war. Jesus hingegen war nach seiner Kreuzigung tot, sein Körper lag auf einer Steinplatte.

  6. Zwei Jahre später konnte Jacques de Molay seine Wunden und Narben vor einer päpstlichen Kommission vorzeigen und damit den Beweis für die erlittenen Misshandlungen erbringen.

Diese Theorie wird zudem von der Geschichte des Grabtuchs seit 1357 bekräftigt, d. h. ab dem Datum, da es zum ersten Mal ausgestellt wird:
Im Juni 1353 erhält Geoffroy de Charney von Johann II., dem Guten, die Genehmigung zum Bau einer Stiftskirche in Lirey. Bei diesem Geoffroy de Charnay handelt es sich um keinen anderen als um den Großneffen des Geoffroy de Charnay, der 1314 den Tod fand. Die Kirche wird am 28. Mai 1356 eingeweiht. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass im Inventar der Kirchengüter keine Erwähnung eines Grabtuchs zu finden ist.
Vier Monate später fällt Geoffroy de Charnay in der Schlacht von Poitiers. Seine mittellos zurückgebliebene Witwe, Jeanne de Vergny, sucht nach Mitteln und Wegen, ihr Überleben zu sichern. Im Inventar der Besitztümer ihres Mannes findet sie das sorgfältig gefaltete Grabtuch. Als sie es ausbreitet, entdeckt sie das Antlitz eines Mannes, das große Ähnlichkeit mit Christus aufweist. Auch wenn sie mit Sicherheit weiß, dass es sich um das Abbild von Jacques de Molay handelt, so sieht sie doch gleichzeitig auch den Nutzen, den sie aus diesem Tuch ziehen kann. Sie erwirkt die Darlegung des Tuchs als Reliquie in der Kirche in Lirey und lässt eine Gedächtnismedaille prägen, die sie zu einem guten Preis verkauft.
Die Kirche, die selbstredend weiß, dass das Grabtuch das Abbild von Jacques de Molay und nicht von Jesus Christus zeigt, befiehlt die Vernichtung des Tuchs. Das Grabtuch wird daraufhin nicht mehr zur Schau gestellt, allerdings zerstört Jeanne es nicht, sondern verbirgt es.
Nach ihrer erneuten Eheschließung mit Aymon de Genevainto, einem Adligen, der bei der Kirche hohes Ansehen genießt, kann Jeanne erneut die Ausstellung des Grabtuchs in Erwägung ziehen. 1389 erhält sie dazu die Zustimmung des Papstes, einem Neffen Jeannes seit ihrer Heirat, entgegen aller Widersprüche des französischen Klerus, dem die falsche Auslegung des Grabtuchs bekannt ist.

Dass der Papst die Augen vor dieser Täuschung verschließt, hat einen einfachen Grund: Alles weist darauf hin, dass Jacques de Molay zu dieser Zeit häufig als heiliger Märtyrer angesehen und teilweise sogar mit Jesus selbst gleichgesetzt wird, der ebenfalls in Rom getötet wurde (dieses Mal geht die Hinrichtung nicht auf das Römische Reich, sondern auf die Römische Kirche zurück). Als die christliche Welt von der schwarzen Pest heimgesucht wird, befürchtet die Kirche, dass das wundersame Abbild Jacques de Molays der Öffentlichkeit preisgeben könnte, dass die Inquisition den Großmeister des Templerordens vor seiner Hinrichtung gekreuzigt hat. Die Identität des Mannes, der seinen Abdruck auf dem Leintuch hinterlassen hat, durfte nicht bekannt werden, da die Kirche dadurch Gefahr lief, von einem neuen Glaubenskult zurückgedrängt zu werden, nämlich dem Kult um Jacques de Molay, vergleichbar mit dem um Jesus Christus, aus dem er hervorgegangen ist. Die Gefahr wird durch die Zustimmung zur öffentlichen Darlegung des Grabtuchs und durch die Behauptung gebannt, es handle sich um das Antlitz Christi - auch wenn die Kirche zuvor die genau gegenteilige Meinung vertreten hatte.

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